Digitalisierung vs. Demokratie?

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Digitalisierung und Demokratie

Immer wieder lesen wir in den Schlagzeilen von einer Beeinflussung von freien, demokratischen Wahlen. Egal ob in den USA, Deutschland oder Großbritannien. Oftmals werden im gleichen Atemzug soziale Netzwerke oder andere Aktivitäten im Internet genannt. Wir haben uns daher gefragt: Gefährdet die Digitalisierung unsere Demokratie?

 

Theoretischer Einblick

Lasst uns einen Schritt zurückgehen. Demokratie ist (im besten Fall) eine Diskussion der politischen Meinungen. Alle möglichen Argumente, Ideen, Vorschläge und Meinungen kämpfen um die Stimmen der Bürger. Besonders wichtig sind auch andere, ungewöhnliche und unkonventionelle Ansichten. Die sind nicht nur wertvoll, sondern zwingend nötig für die demokratische Diskussion. Diversität hilft das Gesamtergebnis zu verbessern.  

Genau hier müsste die Digitalisierung eigentlich unterstützten und den Austausch von unterschiedlichen Meinungen und Ansichten vereinfachen. Noch nie war es so einfach mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Fassen wir WhattsApp, Facebook, Twitter & Co zusammen sind laut Analysen 49% der weltweiten Bevölkerung monatlich auf sozialen Netzwerken aktiv.  

Und auch Wissen war noch nie so leicht zugänglich wie heute. Alleine Wikipedia umfasst inzwischen fast 54 Mio Artikel. Nur kurz zur Einordnung: Die gedruckte Brockhaus Enzyklopädie war lange Zeit DAS Nachschlagewerk, wenn man etwas wissen wollte. Darin waren aber gerade mal 300.000 Stichwörter und 40.000 Bilder zu finden. Zusätzlich lag der Preis bei fast 3.000 Euro für das Gesamtwerk. Das heißt, Zugang zu Informationen und Vernetzungen sind heute mit einem Klick erreichbar.  

Und auch der Zugriff auf Informationen von deutschen Behörden ist durch die Digitalisierung um einiges einfacher geworden. Nehmen wir das Beispiel „Frag den Staat “ – ein Angebot der Open Knowledge Foundation Deutschland? In den letzten Jahren wurden so schon über 170.000 Anfragen an Behörden gestellt. 

Oder ein letztes Beispiel: Fridays for Future. Die haben es geschafft, u.a. über soziale Netzwerke, 1,8 Millionen Menschen für Ihren globalen Klimastreik am 15. März 2019 auf die Straße zu bekommen.  

Wir sehen also, dass Digitalisierung zum Wettbewerb der politischen Ideen und Meinungen beiträgt und die Diskussions- und Austauschmöglichkeiten fördert.  

Wie immer hat aber auch die Digitalisierung hier zwei Seiten der Medaille. 

Neben dem positiven schnellen Austausch kann auch unsere eigene Wahrnehmung durch die Digitalisierung beeinflusst werden. Dies kommt insbesondere vor, wenn wir uns über Social Media einseitige Informationen einholen und Menschen folgen, die eine ähnliche Meinung vertreten. In diesem Zusammengang werdet ihr oft von der „Filter-Blase“ hören. Menschen mit ähnlichen Meinungen und Ansichten finden sich schnell zusammen und bleiben dann gern unter sich. Katzen-Liebhaber kommunizieren nur noch mit Katzen-Liebhabern – und bestätigen sich gegenseitig in ihren Vorurteilen gegenüber Hunde-Liebhabern. Sind wir erstmal in dieser Filterblase gefangen, erhalten wir nicht mehr unterschiedliche Einsichten, werden nicht durch konkurrierende Meinungen zum Nachdenken angeregt und der demokratische Diskurs wird erschwert.  

Und auch Fake News sind ein zunehmendes Problem – also gezielte Falsch- bzw. Desinformation, um Menschen in Ihrem Handeln und Denken zu beeinflussen.  

Dabei handelt es sich aber keineswegs um ein neues Phänomen. Ein wunderbares Beispiel ist die Hexenverfolgung im 17. Jahrhundert, die auf allerlei Mythen und Falschaussagen fußte.  Geändert hat sich jedoch die Skalierbarkeit und Geschwindigkeit, mit der Fake News in die Welt hinausgetragen werden. Es ist inzwischen viel einfacher eine Wahl auf der anderen Seite der Erde zu beeinflussen. Durch die Internetkommunikation können Inhalte sehr leicht und blitzschnell publiziert werden. Und gerade einfach aufgebaute Fake News – z.B. Hexen haben immer rote Haare – gehen schnell viral und werden weitergetragen.  

Wie sehr sich Menschen durch Social Media beeinflussen lassen, haben bspw. die Wahlen in den USA im Jahr 2016 gezeigt. Hat sich Donald Trump damals sogar mit Fake News ins Weiße Haus getwittert? 

Mark Zuckerberg, der Erfinder von Facebook, positionierte sich nach der Wahl klar gegen die Beeinflussung der Wahl. Er stellte in einem eigenen Post dar, dass lediglich 1% der Posts auf Facebook falsche Informationen enthalten würden. Wenn wir allerdings bedenken, dass täglich 4,75 Milliarden Inhalte auf Facebook geteilt macht 1% bereits 47 Millionen falsche Posts aus – pro Tag! Gerade deswegen ist eine die aufrichtige Berichtserstattung mit seriösen Quellen entscheidend für die Demokratie in Zeiten der Digitalisierung.  

Ihr seht: Noch nie war es so einfach mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und sich politisch einzubringen. Wir müssen uns den Gefahren bewusst sein und aktiv daran arbeiten in den Dialog mit Menschen zu treten die anderer Meinung sind, damit wir uns nicht in unserer Filterblase bewegen. Dann ist die Digitalisierung kein Hindernis, sondern kann die Demokratie fördern.